»Wer schreibt denn so­was?!« – Ei­ne klei­ne Au­toren-Ty­po­lo­gie

Die Welt ist bunt, die Menschen auch... (Foto: Ralph Stenzel)

Die Welt ist bunt, die Men­schen auch...

Beim Blick hin­ter die Ku­lis­sen des Für­thWi­kis fällt auf, daß – wie fast über­all, Pa­re­to läßt grü­ßen – 80% der Ar­beit von 20% der Be­tei­lig­ten er­le­digt wird. Auch in un­se­rem gro­ßen Ge­mein­schafts­werk sind re­gel­mä­ßig nur ein paar Hand­voll Ak­ti­ve am Wer­keln, und wer sich an­schaut, was die en­ga­gier­ten Leu­te so trei­ben, kann sich der Ver­su­chung kaum er­weh­ren, die ein­zel­nen Cha­rak­te­re in ty­pi­sie­ren­de Schub­la­den ein­zu­sor­tie­ren. Heu­te wol­len wir das mal in al­ler Öf­fent­lich­keit tun (wenn auch mit ei­nem schel­mi­schen Au­gen­zwin­kern und des Kon­tra­stes hal­ber et­was über­poin­tiert):

Der Akri­bi­sche ...

... ver­bringt viel Zeit in Ar­chi­ven (und über sei­nen Bü­chern), wer­tet hi­sto­ri­sche Quel­len aus und bringt in lan­ger Nacht­ar­beit neue Er­kennt­nis­se ans Ta­ges­licht (!), die die bis­he­ri­ge Ge­schichts­schrei­bung teils er­gän­zen, teils in Fra­ge stel­len. Ist sich auch für stu­pi­de Fleiß­ar­bei­ten nicht zu scha­de. Fühlt sich von auf­klä­re­ri­scher Wahr­heits­lie­be an­ge­trie­ben und er­kennt im Für­thWi­ki ei­ne de­mo­kra­ti­sche Platt­form von ge­sell­schaft­li­cher Re­le­vanz und ste­tig zu­neh­men­der Brei­ten­wir­kung.

 
Die Ziel­stre­bi­ge ...

... ar­bei­tet gern und viel im Für­thWi­ki, al­ler­dings nur und aus­schließ­lich am Ar­ti­kel über sich selbst: Sie feilt dort stän­dig an der op­ti­ma­len Prä­sen­ta­ti­on der ei­ge­nen be­ruf­li­chen Vi­ta, um sich de­zent für hö­he­re Wei­hen zu emp­feh­len. Kar­rie­re-Be­för­de­rung via On­line-En­zy­klo­pä­die ist nicht un­be­dingt im Sin­ne der Er­fin­der, aber im­mer­hin ei­ne krea­ti­ve Nut­zung oh­ne Kol­la­te­ral­schä­den und da­her to­le­rier­bar: Wenn’s schee macht!

 
Der Tüft­ler ...

... hält als »Ma­ster­mind« im Hin­ter­grund die Tech­nik am Lau­fen und denkt sich da­bei un­ab­läs­sig neue »Schman­kerln« aus, die den prak­ti­schen Nutz­wert des Für­thWi­kis im­mer wei­ter stei­gern. Sorgt für ei­ne über­sicht­li­che, in­tui­tiv be­dien­ba­re Na­vi­ga­ti­on, die In­te­gra­ti­on von mul­ti­me­dia­len In­hal­ten, die Ver­knüp­fung vor­han­de­ner Da­ten zu vor­her nie ge­se­he­nen Zu­sam­men­stel­lun­gen und nicht zu­letzt für die zu­ver­läs­si­ge Si­che­rung des vir­tu­el­len Pro­jek­tes ge­gen (fast) al­le denk­ba­ren Aus­fall­ri­si­ken.

 
Die Flei­ßi­ge ...

... läuft und ra­delt mit der Ka­me­ra durch die Stadt, um fo­to­gra­fisch fest­zu­hal­ten, was vor­zei­gen­s­wert oder im Fort­be­stand ge­fähr­det ist. Füllt sol­cher­art die Lücken im Be­stand und macht un­ser Stadt-Le­xi­kon im Wort­sin­ne bun­ter. Bleibt be­harr­lich dran und lebt als po­si­ti­ves Bei­spiel vor, daß ge­die­ge­ne en­zy­klo­pä­di­sche Ar­beit viel Aus­dau­er und Dis­zi­plin er­for­dert.

 
Der Stra­te­ge ...

... schreibt ei­ge­ne Ar­ti­kel und mo­di­fi­ziert be­stehen­de, um sei­ne ei­ge­ne – recht sub­jek­ti­ve – Sicht auf die Din­ge zu do­ku­men­tie­ren und mit dem An­strich des Se­riö­sen zu adeln. Muß mit­un­ter dar­an er­in­nert wer­den, daß das Für­thWi­ki kein Mei­nungs-Por­tal und kein Welt­an­schau­ungs-Ver­stär­ker, son­dern ei­ne neu­tra­le En­zy­klo­pä­die ist (und blei­ben soll). Trägt da­durch zur Be­för­de­rung der in­ter­nen Dis­kus­si­ons­kul­tur und zur Ent­wick­lung ei­nes gut funk­tio­nie­ren­den Qua­li­täts- und Kri­sen­ma­nage­ments bei.

 
Die Be­le­se­ne ...

... weiß vor­han­de­ne Ar­ti­kel sinn­voll zu er­gän­zen und mit Quel­len­an­ga­ben zu un­ter­mau­ern. Hat als Hob­by-Hi­sto­ri­ke­rin viel Ah­nung von der Stadt­ge­schich­te, sieht im Für­thWi­ki die zeit­ge­mä­ße Auf­be­wah­rungs- und Pu­bli­ka­ti­ons­form Ih­res Wis­sens und eig­net sich im Ge­gen­zug ger­ne die paar tech­ni­schen Tricks an, mit de­nen sie aus den spe­zi­fi­schen Mög­lich­kei­ten des Me­di­ums das mei­ste her­aus­ho­len kann.

 
Der Äs­thet ...

... fin­det Stil- und Form­feh­ler (or­tho­gra­phi­sche und gram­ma­ti­ka­li­sche so­wie­so) und bes­sert die­se un­auf­fäl­lig in den Ar­ti­keln an­de­rer Au­toren aus. Fin­det da­durch zwar kei­ne Zeit mehr mehr zum Ver­fas­sen ei­ge­ner Ab­hand­lun­gen, freut sich aber, durch sein Wir­ken als in­of­fi­zi­el­ler Lek­tor und Ober­flä­chen-Po­lie­rer sei­nen Teil zum Glanz des Ge­samt­wer­kes bei­tra­gen zu kön­nen.

 
Das Heer der Na­men­lo­sen ...

... schreibt hier mal ei­nen klei­nen Ar­ti­kel und da mal ei­ne klei­ne Er­gän­zung, ver­schwin­det dann aber wie­der und läßt sich nim­mer­mehr blicken. Aber Klein­vieh macht auch Mist bzw. aus Mas­se wird Klas­se dank des prü­fen­den Blickes der re­gel­mä­ßi­gen Mitmacher(innen)!

 
Und dann gibt es noch Au­toren, die (bis­lang) kei­ne sind, näm­lich je­ne »pas­si­ven« Nut­zer und Nut­ze­rin­nen des Für­thWi­kis, die uns auf sach­li­che Feh­ler und Un­zu­läng­lich­kei­ten nur – mehr oder we­ni­ger em­pört – auf­merk­sam ma­chen, statt ein­fach Hand an­zu­le­gen und den be­män­gel­ten Lap­sus selbst zu kor­ri­gie­ren. Da­bei wä­re z.B. der Na­me ei­nes neu­en Schul­di­rek­tors in ei­nem Bruch­teil der Zeit, die das Ver­fas­sen und Ver­sen­den ei­ner Feh­ler­an­zei­ge be­nö­tigt, im dies­be­züg­lich ver­al­te­ten Ar­ti­kel ei­gen­hän­dig ein­ge­tra­gen. Hier wol­len wir ein­mal mehr al­len Le­sern und Le­se­rin­nen er­mun­ternd zu­ru­fen:

»Nur Mut! Macht mit! Laßt an­de­re an Eu­rem Wis­sen teil­ha­ben!«

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4 Kommentare zu »»Wer schreibt denn so­was?!« – Ei­ne klei­ne Au­toren-Ty­po­lo­gie«:

  1. Ingelore Barthelmäs meint:

    Die Au­toren-Ty­po­lo­gie ist ein­fach Klas­se!!!

    #1

  2. Ralph Stenzel meint:

    Vie­len Dank! :-)

    #2

  3. Aquilex meint:

    Sehr in­ter­es­san­te Ty­po­lo­gie, hat­te schon in­tui­tiv so ei­ne Ah­nung. Und na­tür­lich ha­be ich mich da­bei wie­der­ge­fun­den. Gut re­cher­chiert!

    #3

  4. Ralph Stenzel meint:

    Dan­ke auch Dir! Re­cher­chie­ren ha­be ich üb­ri­gens gar nicht groß müs­sen, das mei­ste da­von ist ja of­fen­kun­dig...

    #4