Der britisch-kanadische Journalist und Autor Doug Saunders setzte 2010 mit seinem Buch »Arrival City: How the Largest Migration in History is Reshaping Our World.« den prägnanten Begriff der »Arrival City« (Ankunftsstadt) in die Welt. Er beschreibt Städte und Stadtviertel, in denen Zuwanderung besonders sichtbar wird.
Auch Fürth ist eine Arrival City, ja eigentlich sogar schon immer eine gewesen: Seit dem 16. Jahrhundert war Fürth ein bedeutender Ort jüdischen Lebens, ab den 1960er Jahren hielten »Gastarbeiter« die boomende Industrie im wirtschaftswunderlichen Nachkriegs-(West-)Deutschland am Laufen (und holten später ihre Familien nach). Und auch in der jüngeren Vergangenheit bis in die Gegenwart landeten und landen viele aus Krisengebieten geflohene Neuankömmlinge letztendlich in unserer Kleeblattstadt, wo sie ihr Glück, zumindest aber ihren Frieden zu finden hoff(t)en...
Der Hochschullehrer, Geograph und Sachbuchautor Stefan Applis hat in Zusammenarbeit mit dem Fürther Fotografen Chris Frenz darüber ein Buch geschrieben, welches wir ob seiner lokalen Relevanz und überregionalen Bedeutung mit einem sehr ausführlichen Artikel in unserer Online-Enzyklopädie gewürdigt haben:
„Arrival City“ – Geschichten vom Ankommen und Bleiben in Deutschland
Zu diesem Buchprojekt wird am kommenden Freitag, dem 12. Juni 2026 um 18:00 Uhr in der Volkshochschule die Ausstellung „Arrival City – Bilder vom Ankommen und Bleiben in Fürth“ eröffnet. Autor und Fotograf werden bei der Vernissage anwesend sein, ebenso wie Aktive des FürthWikis. Nutzen Sie die günstige Gelegenheit, in das Thema einzutauchen und sich selbst mit anderen Interessierten zu vernetzen!
In der Folgewoche – am Mittwoch, dem 17. Juni 2026 um 19:00 Uhr – wird Stefan Applis in der VHS dann den Vortrag Arrival City – Ankommen und Bleiben in Fürth halten und damit eine weitere Gelegenheit bieten, sich mit den vielfältigen – und teilweise beschämenden – Lebensumständen jener Menschen zu beschäftigen, die als Fremde kamen und zu Fürthern bzw. Fürtherinnen wurden...

Was wäre, wenn das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit nicht in Deutschland, sondern in der Türkei stattgefunden hätte und Gastarbeiter aus Franken an den Bosporus emigriert wären, um dort als Aufbauhelfer zu schuften? Was hätte beispielsweise ein Fürther gefühlt, der – allein und anfangs orientierungslos in einer fernen Stadt, in der ihm alles fremd erscheint – nach Orientierung, nach Zukunft, nach Heimat sucht?
Im Stadttheater wird dieser ebenso spannende wie anrührende Perspektivwechsel derzeit in »Istanbul« verhandelt, einem musikalischen Abend der außergewöhnlichen Art: Die Geschichte von Klaus aus Burgfarrnbach, der in die Weltmetropole auswandert, um dort sein Glück zu suchen und später seine Frau nachzuholen, hält uns einen Spiegel vor und lässt Auswandererschicksale auf einmal in einem anderen Licht erscheinen.
Es gibt noch Karten für die Vorstellungen am 10.06., 11.06., 12.06. und 13.06.2026. Ich kann den Theaterbesuch nur wärmstens empfehlen! Die Kritikerin der Fürther Nachrichten übrigens auch, wobei ihr Artikel »Ein Theaterstück dreht den Spieß um: Was ein Fürther in Istanbul als Gastarbeiter erlebt« hinter der Bezahlschranke liegt und damit leider nur Abonnenten unserer Provinz-Postille zugänglich ist.